Ist Hypnose gefährlich?

Grundsätzlich nicht. Hypnose gilt als eine sehr sichere Methode.
Trotzdem gibt es – wie bei fast allem, was eine Wirkung hat – auch mögliche Nebenwirkungen und Risiken. Die meisten davon sind harmlos und vorübergehend. Ernstzunehmende Risiken entstehen vor allem dann, wenn Hypnose unsachgemäß angewendet wird, zum Beispiel bei der Arbeit mit traumatischen Erlebnissen oder beim Versuch, vermeintlich vergessene Erinnerungen wiederherzustellen.
Darauf gehe ich am Ende des Artikels genauer ein.
Kann man in Hypnose stecken bleiben oder nicht mehr aufwachen?
Fangen wir mit dem zweiten Teil an: Kann man aus Hypnose nicht mehr aufwachen?
Da Hypnose kein Schlaf ist, gibt es auch nichts, woraus du „aufwachen“ müsstest. Du bist während einer Hypnose grundsätzlich ansprechbar und bekommst mit, was passiert.
Zum Thema Hypnose & Schlaf habe ich einen eigenen Artikel geschrieben:
Aber kann man in Hypnose stecken bleiben?
Nein, du kannst nicht dauerhaft in Hypnose gefangen bleiben.

Am Ende einer Hypnose findet normalerweise eine sogenannte Reorientierung statt. Vielleicht kennst du dafür eher den Begriff „Aufwecken“. Da du aber gar nicht geschlafen hast, ist Reorientierung eigentlich das passendere Wort.
Dabei wird deine Aufmerksamkeit wieder stärker nach außen gerichtet und du kommst vollständig zurück ins Hier und Jetzt.
Nach einer sehr tiefen Entspannung kann es durchaus sein, dass du erst einmal etwas benommen bist, die Augen kaum aufbekommst oder dich kurz umschaust und denkst: Wo bin ich eigentlich gerade? Das legt sich normalerweise sehr schnell.
Die Reorientierung bedeutet aber nicht, dass der Hypnotiseur einen geheimen Schlüssel besitzt, mit dem nur er dich wieder aus der Hypnose holen kann. Würde der Hypnotiseur während der Sitzung plötzlich umfallen, wärst du nicht für den Rest deines Lebens in Hypnose gefangen.
Etwas anderes sind Suggestionen, die über die eigentliche Hypnose hinaus wirken sollen.
Ein klassisches Beispiel: Ich suggeriere dir in Hypnose, dass du die Zahl 3 vergessen hast. Anschließend beende ich die Hypnose und bitte dich, deine zehn Finger zu zählen:
1, 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11.
Du hast plötzlich elf Finger. Praktisch :-)
In diesem Moment bist du aber nicht „in Hypnose stecken geblieben“. Die Hypnose ist beendet, lediglich die Suggestion wirkt noch. Man spricht dann von einer posthypnotischen Suggestion.
Dieses hypnotische Phänomen funktioniert aber nur, wenn du dich darauf einlässt. Das Ganze kann der Hypnotiseur in Sekunden wieder auflösen. Und auch hier gilt: Die Suggestion nimmt dir nicht deinen eigenen Willen. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt.
Verliert man in Hypnose die Kontrolle?
Nein. Hypnose schaltet deinen Willen nicht aus.
Stell dir vor, du bekommst ein Geschenk und dir gefällt der Inhalt des Päckchens. Du nimmst es an.
Jetzt stell dir vor, du bekommst ein Geschenk und dir gefällt der Inhalt nicht. Dann gibst du das Päckchen zurück.
So ist es auch in Hypnose. Der Hypnotiseur macht dir Angebote. Du entscheidest, was du annimmst und was nicht.
Der Hypnotiseur führt – aber DU machst die Veränderung.
Aber was ist mit Show-Hypnose? Es kann doch keiner ernsthaft freiwillig auf eine Bühne gehen und sich dort vor hunderten Menschen völlig hemmungslos zum Affen machen wollen?
Würde ich auch sagen. :)
Und doch ist genau das die Antwort. Die Leute, die da mitmachen, wissen vorher, was sie erwartet, und tun es trotzdem. Sie wollen etwas Außergewöhnliches erleben und lassen sich darauf ein.
Sobald sie sich dagegen entscheiden, funktioniert das Ganze nicht mehr. Deswegen werden vorher schon die Personen aussortiert, die sich nicht völlig darauf einlassen.
Kann man unter Hypnose Dinge tun, die man nicht will?
Nein. Auch unter Hypnose behältst du deinen eigenen Willen.
Eine Suggestion ist ein Angebot – kein Befehl, dem du dich nicht widersetzen kannst.
Genau wie bei dem Geschenk aus dem vorherigen Abschnitt entscheidest du, was du annimmst und was nicht.
Kann man gegen seinen Willen hypnotisiert werden?
Du musst dich auf Hypnose einlassen.
Du musst weder besonders entspannt sein noch fest daran glauben, dass Hypnose funktioniert. Wenn du dich aber bewusst dagegen entscheidest und nicht mitmachst, kann der Hypnotiseur dich nicht einfach gegen deinen Willen hypnotisieren.
Verrät man unter Hypnose Geheimnisse?
Nein, Hypnose ist kein Wahrheitsserum.
Du bleibst grundsätzlich in der Lage zu entscheiden, worüber du sprechen möchtest und worüber nicht.
In einer Hypnosesitzung besteht bestenfalls eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der du dich sicher fühlst und dich fallen lassen und öffnen kannst. Dadurch kann es natürlich passieren, dass du über Dinge sprichst, über die du sonst nicht so offen sprichst.
Dafür braucht es aber keine Hypnose. Das kann dir in einem guten und vertrauensvollen Gespräch genauso passieren.
Hypnose zwingt dich nicht dazu, etwas preiszugeben, das du für dich behalten möchtest.
Ist man während der Hypnose bewusstlos oder schläft man?
Man ist weder bewusstlos, noch schläft man.
Viele Menschen erleben Hypnose als einen Zustand starker Fokussierung und häufig auch tiefer Entspannung. Diese Entspannung ist allerdings keine Voraussetzung für Hypnose.
Du kannst während einer Hypnose hören, sprechen und wahrnehmen, was um dich herum passiert.
Hat Hypnose Nebenwirkungen oder Risiken?
Gibt es Nebenwirkungen?
Das kommt darauf an, wie wir Nebenwirkungen definieren.
Hypnose hat Auswirkungen.
Es kann sein, dass du dich nach einer Sitzung fit, erholt und einfach super fühlst.
Es kann aber auch sein – gerade, wenn wir in der Sitzung an tiefsitzenden oder emotionalen Themen gearbeitet haben – dass du dich danach ziemlich geschafft fühlst. Manchmal zeigen sich Themen, an denen wir gearbeitet haben, im Nachhinein noch einmal deutlicher.
Solche Reaktionen können nach einer intensiven Sitzung vorkommen und sind normalerweise kein Grund zur Sorge.
Selten werden nach Hypnose auch vorübergehende Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schwindel beschrieben. In meiner eigenen Arbeit mit einer dreistelligen Zahl an Klienten habe ich solche Reaktionen allerdings bisher nicht erlebt.
Und gibt es ernstzunehmende Risiken?
Ja. Vor allem dann, wenn Hypnose unsachgemäß angewendet wird.
Retraumatisierung
Wenn mit traumatischen Erlebnissen gearbeitet wird, können Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle sehr intensiv werden.
Ein gut ausgebildeter Hypnotiseur kennt diese Gefahr und verfügt über verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen.
Entscheidend ist nicht nur, welche Technik eingesetzt wird, sondern wie damit gearbeitet wird. Ein guter Hypnotiseur beobachtet die Reaktionen des Klienten, passt Intensität und Tempo an und verfügt über verschiedene Möglichkeiten, die Belastung zu steuern.
Dabei wird zum Beispiel mit Dissoziierung gearbeitet. Der Klient nimmt dadurch eine Beobachterposition ein und erlebt das Geschehene mit größerer Distanz und abgeschwächter Intensität.
Gerade bei traumatischen Themen kommt es darauf an, zu erkennen, wie viel der Klient in diesem Moment verarbeiten kann und entsprechend vorsichtig zu arbeiten.
Erinnerungsverzerrungen
Ein weiteres Risiko besteht beim Versuch, vermeintlich vergessene Erinnerungen wiederherzustellen.
Vor allem suggestive Fragen können Erinnerungen beeinflussen.
Besonders problematisch wird es, wenn der Hypnotiseur bereits vorgibt, wonach gesucht werden soll – zum Beispiel nach einem bestimmten traumatischen Erlebnis, von dem gar nicht bekannt ist, ob es überhaupt stattgefunden hat.
So können vermeintliche Erinnerungen entstehen oder bestehende Erinnerungen verändert werden. Gerade bei sehr traumatischen Erlebnissen kann das schwerwiegende Folgen haben.
Deshalb ist bei solcher Erinnerungsarbeit ein besonders vorsichtiger und nicht-suggestiver Umgang wichtig.
Fazit: Ist Hypnose gefährlich?
Entscheidend ist vor allem, wie Hypnose eingesetzt wird und wie verantwortungsvoll damit gearbeitet wird.
Hypnose gilt wissenschaftlich als eine sehr sichere Methode. Sie kann dabei helfen, Veränderungen anzustoßen, innere Prozesse zu bearbeiten, neue Erfahrungen zu ermöglichen und Verhalten zu verändern.
Wie finde ich einen guten Hypnotiseur?
Wie sicher und sinnvoll Hypnose eingesetzt wird, hängt auch davon ab, wer damit arbeitet.
Doch woran erkennst du eigentlich einen guten Hypnotiseur?
Genau dieser Frage widme ich einem eigenen Artikel:
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung.



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